Oberschule August Bebel - unser besonderes pädagogisches Profil

Von August 2009 bis Juli 2016 nahm unsere Schule am Schulversuch „Gemeinschaftsschule“ teil, der durch die TU Dresden wissenschaftlich begleitet, das heißt regelmäßig kontrolliert und bewertet wurde. Die Ergebnisberichte der TU waren durchweg positiv.

Mit Zustimmung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus führt unsere Schule ihr pädagogisches Konzept auch nach Abschluss des Schulversuches fort.

Die wichtigsten Eckpunkte sind:

  • Aufnahme von Schülern, die eine Bildungsempfehlung für die Oberschule oder das Gymnasium erhalten haben.
  • Längeres gemeinsames Lernen
  • Zweite Fremdsprache (Französisch) ab Klasse 5
  • Möglichkeit des Wechsels zum Gymnasium
  • Befähigung der Schüler zum selbst organisierten und kooperativen Lernen
  • Individuelle Förderung

Was bedeutet das im Einzelnen?

1. Eltern können ihre Kinder an unserer Schule anmelden, wenn diese eine Bildungsempfehlung für die Oberschule oder ein Gymnasium haben. Vor allem Schüler mit Bildungsempfehlung für ein Gymnasium, deren Eltern noch überlegen ob diese Schule für ihr Kind die richtige ist, sind bei uns gut aufgehoben. Sie werden systematisch auf die Anforderungen des Gymnasiums vorbereitet, um den späteren Wechsel an diese Bildungseinrichtung zu ermöglichen. Auf der Grundlage der sächsischen Lehrpläne für die Mittelschule und das allgemeinbildende Gymnasium können die Schüler an unserer Schule den Hauptschulabschluss, den qualifizierenden Hauptschulabschluss und den Realschulabschluss als Zugangsvoraussetzung für anschließende berufs- und studienqualifizierende Bildungsangebote erwerben. Zugleich können in allen Klassenstufen die Zugangsvoraussetzungen für einen Wechsel an ein allgemeinbildendes Gymnasium erlangt werden. Damit bieten wir eine gleichwertige und eigenständige Alternative zu anderen Oberschulen und zum allgemeinbildenden Gymnasium. Grundlage für einen Wechsel sind die Schulordnungen für die Mittelschule und für das Gymnasium.

2. Immer mehr Bildungsexperten in Deutschland vertreten die Meinung, dass die Aufteilung der Schüler in verschiedene Schultypen nach der Klasse 4 zu früh erfolgt. Zum einen können viele Eltern das Leistungsvermögen ihres Kindes zu diesem Zeitpunkt nur schwer einschätzen. Zum anderen ist offensichtlich, dass in unserem Bildungssystem soziale Chancen bereits beim Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen verteilt werden. Ist eine Schullaufbahn einmal eingeschlagen, wird sie nur selten korrigiert, und falls doch, dann meist nur nach unten. So werden Schüler in Gewinner und Verlierer eingeteilt und die Chancengleichheit ist in Frage gestellt. Mit dem längeren gemeinsamen Lernen sind deutliche positive Effekte für den einzelnen Schüler, aber auch für die Leistungsfähigkeit des gesamten Schulsystems verbunden. Indem die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg so lange wie nötig offen gehalten wird, bleibt die Zugangsgerechtigkeit gewahrt. Lernschwächere Schüler und Spätentwickler haben genug Zeit, Bildungsdefizite auszugleichen. Leistungsgemischte Klassen sind sowohl für leistungsschwache als auch für leistungsstarke Schüler förderlich. In unserer Schule, die auf Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Kinder und Jugendlichen setzt, lernen die Schüler miteinander und voneinander. Stärkere Schüler unterstützen Schwächere beim Lernen und festigen dabei ihr eigenes Wissen. Das gemeinsame Lösen von Aufgaben trägt dazu bei, Respekt für den Anderen zu entwickeln und fördert die soziale Kompetenz der Schüler. Unsere Schüler lernen in den Klassen 5 und 6 in allen Fächern zusammen. Ausnahmen sind hier spezielle Fördermaßnahmen für Schüler mit Teilleistungsstörungen bzw. leistungsschwache Schüler. Ab der Klasse 7 erhalten die Schüler, die später an das Gymnasium wechseln wollen, in Englisch und Mathematik Unterricht in Vertiefungskursen. In Klasse 8 kommt der Vertiefungskurs Deutsch dazu. In allen anderen Fächern erfolgt der Unterricht weiter im Klassenverband. Erst in Klasse 9 werden die Schüler in Deutsch, Mathematik, Englisch in getrennten Kursen auf den von ihnen angestrebten Abschluss vorbereitet. In allen anderen Fächern lernen die Schüler auch weiterhin gemeinsam.

3. In der Regel besuchen alle Schüler in der Klassenstufe 5 den Unterricht im Fach Zweite Fremdsprache. Bei uns ist das Französisch. Allen Schülern soll die Möglichkeit geboten werden, sich mit einer weiteren Sprache vertraut zu machen. Da dieser Unterricht für unsere Schüler eine zusätzliche Herausforderung darstellt, werden zwar Noten erteilt, die Jahresnote ist in Klasse 5 jedoch nicht versetzungsrelevant. Schüler, die größere Lernschwierigkeiten haben und deren Eltern aus diesem Grund die Teilnahme am Fach Französisch für ihr Kind nicht wünschen, erhalten in diesen Stunden Förderunterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch in Form von Freiarbeit. Im Entwicklungsgespräch, das der Klassenleiter mit den Eltern und dem Kind gegen Ende der Klasse 5 durchführt, wird darüber beraten, ob bzw. auf welchem Niveau der Unterricht in Französisch in Klasse 6 fortgesetzt wird. Danach trifft die Klassenkonferenz die Entscheidung. Am Ende des ersten Halbjahres der Klasse 6 wird die Fortführung des Unterrichts in Französisch erneut geprüft.

4. Für leistungsstarke Schüler ist ein Wechsel an das Gymnasium wie bisher nach der Klasse 5 oder 6 möglich. Schüler können ebenso nach Abschluss der Klassen 7, 8 oder 9 an das Gymnasium wechseln, wenn sie die durch die Schulordnung Gymnasium vorgeschriebenen Leistungsdurchschnitte erreichen. Bei entsprechenden Leistungen können Schüler aber auch nach der Klasse 10 an einem allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasium weiterlernen.

5. Die Unterrichtsgestaltung wird von einer für alle Schüler förderlichen Lehr- und Lernkultur geprägt. Eine gute Arbeitsatmosphäre hat positive Auswirkungen auf die Anstrengungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Schüler. Die Unterrichtsthemen knüpfen an die Erfahrungen der Schüler an, berücksichtigen deren Interessen und Neigungen und ermöglichen Lernen mit allen Sinnen. Dazu ist ein Unterrichtsstil notwendig, der beim Schüler Neugier weckt, seine Kreativität und Selbsttätigkeit verlangt. Es werden Lehr- und Lernverfahren angewandt, die ein ausgewogenes Verhältnis von fachsystematischem Lernen und praktischem Umgang mit lebensbezogenen Problemen aufweisen. Lerngegenstände werden aus verschiedenen Perspektiven und in vielfältigen Problem- und Anwendungszusammenhängen betrachtet. Intensive und vielfältige Übungen und Wiederholungen sind unerlässlich, um die erreichten Lernerfolge zu festigen. Entsprechend dem Alter der Schüler nimmt ihre Selbsttätigkeit kontinuierlich zu. Damit sie sich immer stärker an der Unterrichtsgestaltung beteiligen und für die Planung und Realisierung von Lernprozessen Mitverantwortung übernehmen können, kommt dem "Lernen lernen" eine große Bedeutung zu. Durch die Anwendung von Methoden der Kooperation, die Steigerung der Lesekompetenz und das Erlernen und Anwenden von Methoden der Dokumentation von Lerninhalten, werden die Schüler schrittweise zum selbst organisierten Lernen befähigt. Es ist Aufgabe des Lehrers, die Lernvoraussetzungen der Schüler zu diagnostizieren und Lernprozesse zu steuern. Je größer die Anteile des selbst organisierten Lernens im Unterricht werden, desto stärker wird der Lehrer zum Berater der Schüler im Sinne von befähigen, helfen, Möglichkeiten aufzeigen und fördern. Lehr- und Lernvereinbarungen, Lerntagebücher aber auch Fragebögen zur Anwendung von Methoden oder zur Einschätzung von Klassenarbeiten unterstützen dies.

6. Leistungsschwache Schüler, die in Klasse 5 und 6 nicht am Unterricht im Fach Französisch teilnehmen, erhalten in dieser Zeit Förderunterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik in Form von Freiarbeit. Eine Förderstunde wird in Klasse 5 für das "Lernen lernen" verwendet. Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche bzw. Dyskalkulie erhalten eine angemessene individuelle Förderung. In Deutsch und Englisch wird die Förderung von Lehrern mit Zusatzqualifikation im Bereich LRS übernommen. Auf der Grundlage vorliegender Gutachten wird an den Förderschwerpunkten gearbeitet. Ziel ist es, den Kindern Erfolgserlebnisse zu schaffen und Lernmotivation zu entwickeln. Analog wird im Fach Mathematik bei Vorliegen einer Dyskalkulie verfahren. Bei der individuellen Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund stehen Rücksichtnahme auf sprachliche Probleme der betreffenden Schüler im Fachunterricht aller Fächer sowie die individuelle Unterstützung der Schüler bei der Erweiterung, Vertiefung und Anwendung notwendiger fachsprachlicher Mittel im Vordergrund. Individuelle Förderung heißt für uns auch gezielte Vorbereitung der künftigen Gymnasiasten auf ihren Schulwechsel. In den Fächern, in denen der Unterricht im Klassenverband erteilt wird, erhalten diese Schüler auf der Grundlage der gymnasialen Lehrpläne anspruchsvollere Aufgaben bzw. Aufträge, die einen größeren Umfang haben oder mehr Selbstständigkeit verlangen.